Jörg Sundermeier, Verbrecher Verlag, beklagt im Deutschlandfunk Kultur, daß durch die Auslistung von ca. 250.000 Titeln durch den Zwischenhändler Libri diese kaum noch auf dem Markt präsent seien:

„Diese Titel tauchen nun auch bei vielen Onlineanbietern und auch in manchen Sortimenten nicht mehr auf, und in allen Verlagen klingeln nun allenthalben die Telefone, da verunsicherte Buchhändlerinnen und Buchhändler fragen, ob denn das Buch noch lieferbar sei – oder überhaupt existiere. … „

Er ruft dem Buchhandel in Erinnerung, daß es das „Verzeichnis Lieferbare Bücher“ gibt, dieses müsse nur vom Handel genutzt werden.

Der Handel tut es aber nicht – ein Erfahrungsbericht

Tatsächlich sind fast alle Titel im „Verzeichnis lieferbare Bücher“ gelistet, und man könnte theoretisch als Händler damit arbeiten. So haben wir mit vlb.falkmedien.de mit der Einstellung von buchhandel.de eine Recherche- und Kaufplattform geschaffen, die auch rege genutzt wird.

Nur hat das VLB leider in einem wesentlichen Punkt nicht die Qualität wie ein Barsortimentskatalog:

  • Der Verlag wartet auf eine Mindestbestellmenge und druckt dann erst. Das kann schon mal drei Monate dauern.
  • Verlage melden Titel als vergriffen, keine Neuauflage, bieten den Titel aber selbst bei Amazon an.
  • Verlage liefern nicht täglich aus, eher einmal pro Woche, oft nur alle 14 Tage.
  • Verlage sind oft kaum erreichbar, sei es per Mail, sei es per Telefon.
  • Verlage brauchen auch schon mal innerhalb von zwei Jahren zahlreiche Hinweise, daß ein als lieferbar gemeldeter Titel nicht mehr lieferbar ist und ins Archiv verschoben werden sollte, bevor es tatsächlich passiert.
  • Verlage sind im Urlaub, lassen aber ihre Titel im VLB, ohne den Vermerk, daß sie erst in vier Wochen geliefert werden können.

Das Barsortiment listet Titel, die es tatsächlich liefern kann.

Lösungsvorschläge

All diese Punkte habe ich mehrfach per Telefon, per Ticket und auf den Buchmessen der MVB und dem Sortimenterausschuß vorgetragen (ohne nennenswerte Reaktion) mit sehr einfach umzusetztenden Lösungen:

Im „Verzeichnis Lieferbarer Bücher“ erscheint unter jedem Titel ein Kontaktformular. In dieses kann der Händler die Mängel eintragen. Dieses Kontaktformular wird per E-Mail an den Verlag geschickt und in das bereits vorhandene Ticketsystem der MVB. Wenn der Verlag nicht innerhalb von 12 Stunden reagiert, eskaliert bei der MVB das Ticket. Jetzt kann die MVB entscheiden, ob der Verlag zum Beispiel mehr für das VLB zahlen muß und ein Unzuverlässigkeitsmerkmal erscheint. Bronze, Silber, Gold gibt es bekanntlich bereits als Qualitätsmerkmal.

Desweiteren muß im Versand durch die Verlage normale Qualität erreicht werden, wir wie sie aus anderen Branchen kennen:

  • Bestellungen bis 17 Uhr müssen am selben Tag versandt werden.
  • Bestellanstalten müssen den Versand und die Trackingnummer erfassen und übermitteln.
  • Bestellanstalten müssen prüfen, daß der Versand lieferbarer Titel tatsächlich zeitnah erfolgt ist. Dazu muß der Weg der Zahlung umgedreht werden, nicht der Buchhändler zahlt, sondern der Verlag. Und bei hoher Qualität zahlt der Verlag weniger.

Im VLB müssen weitere Felder erscheinen:

  • Warte auf Mindestmenge
  • Bin in Urlaub
  • Erfüllquote
  • Liefert tatsächlich gemeldete Titel
  • Liefert zeitnah

Wir haben für einige kleine Verlage die Auslieferung übernommen. Hier beobachten wir, daß zahlreiche Buchhandlungen über Amazon die Verlagstitel kaufen. Sie erhalten es dann zum Endpreis plus Versandgebühren. In persönlichen Gesprächen erzählen mir die Kollegen, daß sie lieber draufzahlen und bei Amazon bestellen, als direkt beim Verlag. Bei Amazon sind sie sicher zu bekommen und sie können ihren Stammkunden halten.

Fazit

Wenn Verlage und Auslieferungen höhere Qualität liefern würden, könnten Abhängigkeiten abgebaut und insgesamt der unabhängige Buchhandel gestärkt werden, und damit die politische, kulturelle und wissenschaftliche Freiheit.

Veröffentlicht von Jens Falk

Der gelernte Verlagskaufmann hat sich 2004 als Buchhändler, Antiquar und Berater selbständig gemacht. Die Buchhandlung und – seit 2018 – der Verkauf von Schiffsuhren dienen auch der Evaluierung und Analyse neuer Entwicklungen im Einzelhandel, sei es vor Ort, im Netz oder bei Veranstaltungen.

Vor der Selbständigkeit konnten in einer Zeitungsredaktion (CvD) sowie in IT-Abteilungen journalistische und netzwerktechnische Erfahrungen gesammelt werden. Die daraus folgende fachliche Kompetenz und die technische Affinität ermöglichen es, auf der einen Seite selbst WebShops (z.B. JTL und WooCommerce) und CM-Systeme (z.B. WordPress) zu hosten und Server (Windows & Linux) zu administrieren, andererseits ist es möglich, die tatsächlich besten Lösungen und Anwendungen (Preis-Leistungs-Verhältnis) zu finden.

Praxisrelevantes Fachwissen in Buchführung, Bilanzierung und Jahresabschluß wurden seit Gründung in den eigenen Firmen und in Kundenprojekten angewendet, des weiteren als Mitglied im Vorstand einer Genossenschaft, verantwortlich für Finanzen.

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Jens Falk

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2 Kommentare

  1. Ich muss leider alles bestätigen. Und sicher wird es bald den stationären Buchhandel nicht mehr geben. Er wird vom Markt verschwinden, wie der Zwischenhandel. Nur eine Frage der Zeit. Schade das wir aus den Ereignissen: Könemann zu Libri, Insolvenz KNV, Auslistung von Titeln durch Libri, Einstellung der Lieferung an kleine Buchhandlungen durch Libri nicht die richtigen Konsequenzen ziehen. Sie haben einige Lösungsansätze geliefert, um die Abhängigkeiten der Sortimentsbuchhandlung vom Zwischenhändler zu minimieren. Zwar sehr heftige, aber diskutieren sollte man sie.

    Ich wäre auch für die Umsetzung. 🙂

  2. Als ich als studentische Aushilfe in einer Buchhandlung tätig war, wurde mir auch gesagt: Einzeltitelbesorgung bloß nicht beim Verlag. Heute arbeite ich in einem größeren Verlag und hier finden einige meiner Kollegen kleinere Abnehmer nur lästig.

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